Premierenkritik zu "Metzger singt Knef"

Am Ende regnet es rote Rosen

„Metzger singt Knef“ im Schlösschen Hildenbrandseck: Gelungene Hommage an die Chansonsängerin in der Reihe „slow art, 2.0“

Von Anke Wanger

NEUSTADT-GIMMELDINGEN.
Ein humorvoll-frivol aufforderndes „Ochs tut es, Kuh tut es… sei mal verliebt“ begeistert die schnippenden Zuhörer, die den Song, interpretiert von Nicole Metzger, an diesem Abend gleich zweimal hören werden.
Denn er ist eine der Zugaben, die sie im
Premieren-Programm „Metzger singt Knef“ in der Reihe „slow art, 2.0“ im Gewölbekeller des Schlösschens Hildenbrandseck präsentiert.

 „Sei mal verliebt“ wurde von Cole Porter (Let´s do it) 1928 komponiert und von der 2002 verstorbenen Schauspielerin, Sängerin und Autorin Hildegard Knef ab den 60er Jahren erfolgreich gesungen. Er ist Teil des zweiten großen Konzerts (2.0) der Veranstaltungsreihe „slow art“ mit der Aufforderung zu bewusstem (langsamem) Genuss von Musik, Lesung und Menü, Büchertisch der Neustadter Bücherstube inklusive.
Entstanden war die Idee zu den jährlichen Veranstaltungen bei der Hausherrin des Schlösschens Hildenbrandseck, Susanne von Oettingen,
Nicole Metzger und Regisseurin Ela Sommer.
Für Kunstgenuss soll sich Zeit genommen, das Publikum einbezogen werden, was an diesem Abend nicht allein Metzgers Aufgabe ist.

Metzger fasst zunächst Knefs Biografie zusammen und hat dann Schauspieler Rüdiger Osterholt an ihrer Seite, der Szenen aus Knefs Leben vorliest
– Texte aus ihrer Autobiografie „Der geschenkte Gaul“.
Passend zu dem jeweiligen Lebensabschnitt und Thema schließen sich Metzgers Lieder aus Knefs reichhaltigem Repertoire an.
Metzgers volle, facettenreiche Stimme mit der Sicherheit der erfahrenen Jazzsängerin in den hohen bis sehr tiefen Stimmlagen gibt den Knefschen Kompositionen eine ganz eigene Sprache. Denn Metzger singt, während Knef zu Lebzeiten als „beste Sängerin ohne Stimme“ bezeichnet wurde.
Dank geschickter Auswahl der Titel sind die Charakteristika Knefs – der schnodderige Sprachgesang, gepaart mit rauchiger, leicht gebrochen verruchter Stimme und glaubhafter eigener Betroffenheit – nicht zwingend nötig, um anzukommen.

Die Knef erlebte Glück und Leid privat ebenso wie im Beruf. Pendelnd zwischen USA und Deutschland, hatte sie allerdings immer wieder die Möglichkeit, unangenehmen Situationen zu entfliehen, wie beispielsweise nach dem Film „Die Sünderin“, der nicht den damaligen Moralvorstellungen der Kirche und weiten Teilen der deutschen Gesellschaft entsprach.
Sie wurde geächtet, der Film aber von Millionen Deutschen gesehen und führte die Knef letztlich zu einem ihrer größten Erfolge als erste Deutsche in einer Hauptrolle an den Broadway. Sie übernahm in Cole Porters Musical „Silk Stockings“ die Rolle der Geheimagentin Ninotschka in einer Liebesgeschichte zur Zeit des Kalten Krieges.

Metzger präsentiert Titel wie „Illusionen“, Geh fort von hier“, „Ich möchte am Montag mal Sonntag haben“ ebenso eingängig wie stilsicher.
Bereicherung des Abends ist Pianist Jean-Yves Jung. Er und Metzger verstehen sich blind. Seine einfühlsame Begleitung wird mehrfach gekrönt von ebenso flüssigen wie spannungsgeladenen Jazz-Improvisationen.

Von Oettingen freut sich, dass der Caterer dem Motto Rechnung getragen und die Rosen einbezogen hat, von denen Metzger am Ende singt.
Es ist Knefs Klassiker „Für mich soll´s rote Rosen regnen“, zu dem Osterholt nicht nur Rosen verteilt, sondern auch Metzger in einen Regen aus Rosenblütenblättern hüllt. Nach den Zugaben und begeistertem Applaus begeben sich die Gäste im Kerzenschein zum Nachtisch in den Hof.


Liebe Freunde,

hier ist das Video zum Porträt, das am 18.4.16 im SWR Fernsehen in der Landesschau gesendet wurde.

Am 07.03.2016 war  Niko Zakarias für Interview und Aufnahmen bei mir gewesen und am 18.03.2016 hat er unser Konzert von "Nicole Metzger & The French Connection“ im legendären Frankfurter Jazzkeller mit gefilmt.

Wir hatten eine extrem lustige und spannende Zeit zusammen.

Lieber Niko, vielen herzlichen Dank für die tolle Zeit und schöne Zusammenarbeit!

Lieben Dank auch an Felix Schneider für die Mitwirkung beim Gesangsunterricht!

Und vielen lieben Dank Jean-Yves Jung, Jean-Marc Robin, Dietmar Fuhr für das tolle Konzert und die Vorbereitungen und Eugen Hahn, dass wir in Deinem Jazzkeller aufnehmen durften!


Der nächste Konzerttermin

26.08.2016

Nicole Metzger & The French Connection mit deutsch-französisch- und englischsprachigen Jazzstandards sowie Chansons der 50er und 60er Jahre im Jazzclub Denkendorf zum 30-jährigen Parnerschaftsjubiläum mit Frankreich, Furtstraße 10, 73770 Denkendorf
Beginn: 20.00 Uhr

Der Kartenvorverkauf beginnt jeweils am Freitag, 3 Wochen vor der Veranstaltung, bei:

Schreibwaren Deuschle
Friedrichstr. 6
73770 Denkendorf
Tel. 0711 30090704 

Auswärtige Gäste können sich bei Frau Schmitt (Bücherei, Tel. 0711 3466331, Dienstag bis Freitag) melden. 

Tischreservierungen sind ab 4 Personen möglich (wenn gewünscht bitte beim Kartenkauf angeben). Die reservierten Plätze müssen bis spätestens 15 Minuten nach Öffnung der Kelter eingenommen werden, ansonsten erlischt der Anspruch.

Nicole Metzger (vocals), Jean-Yves Jung (piano), Jean-Marc Robin (drums), Marcel Löffler (accordion) und Dietmar Fuhr (bass)

Erleben Sie Auszüge aus den Programmen "Hymne à l'amour" mit englischsprachigen Jazzstandards und Chansons der 50er und 60er Jahre sowie aus ihrem Programm "Der Lauf der Zeit" mit eigenen deutschen Texten und Eigenkompositionen der Band.


Martin Kunzler über Nicole Metzger

Wie ist das nur möglich?

So kühne und weite Intervallsprünge in derart perfekter Intonation – und doch klingt alles natürlich und spontan, hingezaubert!

Nicole Metzger ist eine großartige Jazzsängerin mit Akzent auf beidem, auf Jazz und auf Sängerin. Selbst unter den Großen gibt es das selten und schon gar nicht unter den vielen angeblichen „neuen Ellas“, die in täglichem Wechsel durch das Dorf der Szeneblättchen getrieben werden, als gäbe es zum mehr oder weniger unpassenden Vergleich nicht auch eine Lady Day beispielsweise, eine Sassy oder Dee Dee, nicht Soprane, Mezzos, Alts, nicht stärker auf Interpretation oder stärker auf Improvisation setzende Vokalistinnen. Nein, die Ella muss es sein, die kennt eben jeder.

Nicole Metzger, die wir indes mit niemandem vergleichen müssen, ist eine wirkliche Musikerin und damit bei aller Eigenständigkeit Sarah Vaughan durchaus geistesverwandt: Ihre Interpretation hat in der frappierenden Variabilität sehr wohl auch improvisatorische Qualität und ihr umwerfender Scatgesang wiederum etwas von der Bestimmtheit einer Interpretation.

Das kommt natürlich nicht von ungefähr, sondern von der soliden Grundlage zunächst eines klassischen Gesangsstudiums und der dann folgenden harten hohen Schule der Musical-Ausbildung, die sie mit Glanz absolviert hat, um nun übrigens mit Leidenschaft längst auch selbst zu unterrichten.

Nur wer über dermaßen großes Handwerk mit derart ausgereifter Erfahrung gebietet, kann so frei und natürlich klingen, dass man dieses Handwerk in all den Nuancierungen und Herausforderungen überhaupt nicht mehr zu hören glaubt, sondern die Wärme, den Esprit und die Berührung der Message direkt empfängt, nachzuvollziehen übrigens auch auf ihren Alben, darunter „Second Take“ (2007) mit dem unvergessenen Keith Copeland als Co-Leader.

Und so erleben wir sie unmittelbar, die große Kunst dieser Sophisticated Lady namens Nicole Metzger, deren flexible Stimme, vom diesseitigen Kupfer ins jenseitige Silber hinüberspringt,als wäre nichts gewesen, die verrucht in kleinen Sekunden um einen bluesigen Kern herumschleichen mag, aber von jetzt auf nachherin Oktavsprüngen brilliert, als gälte es die Höhe des Bühnenraums mit der Stimme zu vermessen. Und jetzt kommt er doch noch, der soeben noch verdammte Vergleich: Irgendwie erinnern die Improvisationen Nicoles in ihrem wärmenden Charme, der Eloquenz und ihrem mitunter fast beiläufigen Erzählgestus an die Soli von Stan Getz.

Wie sagte die große Lehrerin Nadia Boulanger doch gleich? Dem Sinn nach ungefähr dieses: „Du kannst nicht humaner klingen, als Du selbst als Persönlichkeit bist“. Und Nicole Metzger klingt sehr human.