SWR-Landesschauportrait vom 18.04.2016


Meine Philosophie

Jazz ist pure Demokratie.

Jeder bringt sich mit seinem einzigartigen musikalischen Ausdruck und seiner Persönlichkeit ein, nimmt gleichzeitig im Musizieren die anderen auf, so dass sich ein ständiges Geben und Nehmen ergibt.
Keiner ist austauschbar.

Sobald ein neuer Musiker dazu kommt, entsteht eine neue Musik. Somit entsteht eine Kommunikation auf höchstem Niveau. Singen ist für mich der Ausdruck meiner Seele.

Genau daran hält sich Nicole Metzger, was dazu führt, dass sich der Zuhörer ständig in einem Wechselbad der Gefühle befindet, mal heiter, mal verliebt, mal melancholisch, immer intensiv. Man spürt die Liebe oder die Sehnsucht, den Kummer, die Freude.

Die Stimme von Nicole Metzger ist facettenreich und mit einem Wort nicht zu beschreiben.
Sie reicht von bluesig bis soulig, sie ist klar, wandlungsfähig, vielfältig, mit schwarzer Färbung, fantasievoll und weicht keinen Millimeter vom richtigen Ton ab.

Sie spielt mit der Stimme, beherrscht den Scatgesang meisterhaft, jongliert mit dem melodischen Material und schafft es immer wieder, das Publikum in Begeisterung zu versetzen.

Martin Kunzler über Nicole Metzger:

Wie ist das nur möglich?

So kühne und weite Intervallsprünge in derart perfekter Intonation – und doch klingt alles natürlich und spontan, hingezaubert!

Nicole Metzger ist eine großartige Jazzsängerin mit Akzent auf beidem, auf Jazz und auf Sängerin. Selbst unter den Großen gibt es das selten und schon gar nicht unter den vielen angeblichen „neuen Ellas“, die in täglichem Wechsel durch das Dorf der Szeneblättchen getrieben werden, als gäbe es zum mehr oder weniger unpassenden Vergleich nicht auch eine Lady Day beispielsweise, eine Sassy oder Dee Dee, nicht Soprane, Mezzos, Alts, nicht stärker auf Interpretation oder stärker auf Improvisation setzende Vokalistinnen. Nein, die Ella muss es sein, die kennt eben jeder.

Nicole Metzger, die wir indes mit niemandem vergleichen müssen, ist eine wirkliche Musikerin und damit bei aller Eigenständigkeit Sarah Vaughan durchaus geistesverwandt: Ihre Interpretation hat in der frappierenden Variabilität sehr wohl auch improvisatorische Qualität und ihr umwerfender Scatgesang wiederum etwas von der Bestimmtheit einer Interpretation.

Das kommt natürlich nicht von ungefähr, sondern von der soliden Grundlage zunächst eines klassischen Gesangsstudiums und der dann folgenden harten hohen Schule der Musical-Ausbildung, die sie mit Glanz absolviert hat, um nun übrigens mit Leidenschaft längst auch selbst zu unterrichten.

Nur wer über dermaßen großes Handwerk mit derart ausgereifter Erfahrung gebietet, kann so frei und natürlich klingen, dass man dieses Handwerk in all den Nuancierungen und Herausforderungen überhaupt nicht mehr zu hören glaubt, sondern die Wärme, den Esprit und die Berührung der Message direkt empfängt, nachzuvollziehen übrigens auch auf ihren Alben, darunter „Second Take“ (2007) mit dem unvergessenen Keith Copeland als Co-Leader.

Und so erleben wir sie unmittelbar, die große Kunst dieser Sophisticated Lady namens Nicole Metzger, deren flexible Stimme, vom diesseitigen Kupfer ins jenseitige Silber hinüberspringt,als wäre nichts gewesen, die verrucht in kleinen Sekunden um einen bluesigen Kern herumschleichen mag, aber von jetzt auf nachherin Oktavsprüngen brilliert, als gälte es die Höhe des Bühnenraums mit der Stimme zu vermessen. Und jetzt kommt er doch noch, der soeben noch verdammte Vergleich: Irgendwie erinnern die Improvisationen Nicoles in ihrem wärmenden Charme, der Eloquenz und ihrem mitunter fast beiläufigen Erzählgestus an die Soli von Stan Getz.

Wie sagte die große Lehrerin Nadia Boulanger doch gleich? Dem Sinn nach ungefähr dieses: „Du kannst nicht humaner klingen, als Du selbst als Persönlichkeit bist“.Und Nicole Metzger klingt sehr human.